4,5 Millionen Artikel, davon 100.000 Produkte, die innerhalb von 24 Stunden verfügbar sind, 160 angeschlossene Unternehmen in 16 Ländern mit 24.000 Angestellten: Dass die GC-Gruppe Digitalisierung und KI maßgeblich vorantreibt, liegt auf der Hand. Benedikt Mahr, Geschäftsführender Gesellschafter der Wilhelm Gienger KG und der GC-Gruppe, hat beim Auftaktvortrag am zweiten Congresstag die Details erläutert.

Die GC-Gruppe (GC steht für Großhandels-Contor) vertreibt ihre Produkte innerhalb des dreistufigen Vertriebswegs. Als Großhandel für die Bereiche Sanitär, Heizung, Elektro, Klima/Lüftung, Installation, Dach, Tiefbau und Industrietechnik bezieht die Gruppe bei der Industrie und liefert an das Fachhandwerk, das wiederum die Kunden beliefert. Dabei werden von der GC-Gruppe ausschließlich konzessionierte Fachhandwerker bedient. Verfügbar sind Fachmarken, Produkte von Exklusiv-Lieferanten und eine Eigenmarke.

Für die Handwerker stehen bundesweit mehr als 850 Abholstandorte zur Verfügung. Diese Abholläger ermöglichen es ihnen, kurzfristig auf Kundenwünsche und Bedarfe zu reagieren, vor allem aber, auf eigene Lagerhaltung zu verzichten. Spätestens durch die Corona-Krise erlebte die Branche  einen weiteren Schub in Richtung Digitalisierung, sagt Benedikt Mahr. Das Bestellvolumen wird zunehmend online abgewickelt.

Die Grundlagen der Digitalisierung wurden selbstredend vor vielen Jahren gelegt, angefangen von Prozess-Automation und -Optimierung, Standardisierungen und Transparenz in der Prozesskette. Dennoch stellte etwa die Aufgabe „Home-Office“ auch die GC-Gruppe vor neue Herausforderungen im Bereich Telefonie, die schließlich als Cloud-Lösung realisiert wurde. Mahr: „Das einzig Gute an der Krise: Das Thema Digitalisierung schreitet schneller voran, als wir uns das noch vor 2 Jahren gedacht hätten!“

Im Grundsatz habe man sich dafür entschieden, die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, um das bestehende Geschäftsmodell für die Zukunft intelligent weiterzuentwickeln – zm Beispoel in der Verbindung mit der Logistik. Die Bestellmöglichkeiten für den Handwerker wurden etwa durch 24/7 Abholstandorte erweitert. Der Handwerker erhält einen QR-Code, der als Türöffner dient und holt sich anschließend die bestellte Ware direkt selbst aus dem Lager der GC-Gruppe.

Über ein Beratungstool für die Handwerker im Bereich Heizung und Sanitär kann der Handwerker online und damit auch direkt vor Ort beim Kunden auf Informationen zugreifen. Die GC-Gruppe bietet Smart-Home-Produkte, über die alle dafür befähigten Komponenten im Haus eines Endkunden angesteuert werden können – unabhängig von den Fabrikaten. Diese herstellerübergreifenden Produktkonfigurationen kämen sehr gut bei den Kunden an, berichtet Benedikt Mahr. Für Handwerker, die selbst noch keinen Internetauftritt haben, bietet die GC-Gruppe Webseiten an und pflegt diese auch.

Damit die Handwerker sich auch auf den Baustellen ortsunabhängig vernetzen können, bietet die GC-Gruppe die App „Craftnote“, die nach dem gleichen Prinzip wie WhatsApp funktioniert, die Nachrichten aber direkt in die passenden Baustellenordner in der eigenen Betriebssoftware zuordnet. Die so erreichte hohe Transparenz und Ordnung erleichtert die Koordination für alle Beteiligten.

Eine weiterhin bestehende Herausforderung ist die Standardisierung der ERP Plattform, um die Transparenz in der Prozesskette zu gewährleisten. Hier besteht Handlungsbedarf, da viele Handwerker noch mit unterschiedlicher Software arbeiten. Das Ziel seien etwa ein digitaler Lieferschein und eine entsprechende Roadmap: Wo befindet sich das Produkt gerade?

Ein weiteres Tool, das den Mitarbeitenden der GC-Gruppe die Arbeit maßgeblich erleichtert ist, der sogenannte Leistungsverzeichnis-Matcher. Hier werden Artikel aus Angebotsanfragen dem Produktsortiment zugeordnet, um anschließend die Angebote automatisiert zu erstellen. „Bei zig Millionen Angebotspositionen pro Jahr macht das schon was aus“, stellt Mahr klar.

Auch die Logistik der GC-Gruppe nutzt die digitalen Möglichkeiten im Sinn ihrer Kunden. Ein besonderes Angebot für die Handwerkskunden ist CarLoad. Bestellungen werden über Nacht in das über GPS geortete Kundendienstfahrzeug geladen – der Handwerker kann sich morgens direkt auf den Weg zum Kunden machen. Ebenfalls über Nacht werden so auf Wunsch auch Container auf Großbaustellen befüllt. Ganz analog, aber mit Strom werden derzeit in fünf deutschen Großstädten Handwerker beliefert: Mit Elektrolastenfahrrädern mit einer Traglast von 200 kg können damit schnell und klimaschonend Baustellen in Ballungsräumen angefahren werden.

Auch im Bereich Künstliche Intelligenz geht es in der GC-Gruppe voran. Benedikt Mahr betont, dass gerade bei den Digitalisierungs- und KI-Projekten vor allem eines wichtig sei: „Viel testen und Projekte agil entwickeln – und zwar vom Kunden her“. Man müsse die Kunden rechtzeitig mit in die Projekte nehmen. Und: „Man muss auch mal den Mut haben, ein Projekt zu beerdigen, wenn es nicht läuft – oder ein anderes mit 80 Prozent Fertigungsstand schon auszurollen“. Testen und sukzessiv vorangehen sei zielführender als endloses Warten auf finale Ergebnisse. Dabei sei es generell gut, wenn die Entwicklerteams immer nah genug am Tagesgeschäft sind.

Bei aller fortschreitenden Entwicklungen im Bereich Digitalisierung und KI betont Benedikt Mahr aber immer wieder: „Die Nähe zum Kunden ist und bleibt wichtig. Wir beziehen sie immer mit ein bei unseren Projekten. Man darf sich nicht einbilden, besser zu wissen als diese selbst, was sie brauchen“, so seine Erfahrung.

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