Spannend ist es, zu sehen, wie auch in großen Unternehmen kleine Effekte eine große Wirkung haben können. So bezeichnet die BILD am 8. August Howard Schultz, den Besitzer von Starbucks, als Verlierer, da die Starbucks-Aktie um 10 Prozent fiel, wegen eines Umsatzrückganges. Das ist zunächst nichts Besonderes. Doch umso merkwürdiger ist die Begründung: Der Juli war zu heiß und die Gäste wollten mehr Eiskaffee statt normalen Kaffees. Der Eiskaffee benötigte jedoch mehr Zubereitungszeit als der normale Kaffee, sodass die Mitarbeiterzeit zum Engpass wurde und keine zusätzlichen Bestellungen angenommen werden konnten, da die Mitarbeiter mit der Herstellung von Eiskaffees vollauf beschäftigt waren. Ein Problem, das eigentlich jeder Saisonbetrieb kennt. Engpaßsituationen sind zu vermeiden. Man sollte daher genügend flexibles Personal in Rufbereitschaft haben, um Kundenbedürfnisse befriedigen zu können. Treten dennoch einmal Engpässe auf, sollte die Sortimentssteuerung nach dem Prinzip (nötiger=mindestens bisher erzielter) Deckungsbeitrag pro Engpasseinheit erfolgen, wobei der Deckungsbeitrag pro Engpasseinheit bei einiger Artikeln ggfs. zu verbessern bzw. der Engpass sogar aufzulösen ist. Bei Starbucks wäre das der DB pro Mitarbeiterminute die Steuerungskennzahl gewesen. Da bei dieser Kennzahl der Eiskaffee offensichtlich durch die lange Zubereitungszeit ein deutlich schlechteres Ergebnis erzielt, aber aufgrund der Wetterlage besonders nachgefragt wurde, wäre, unter Berücksichtigung der Wettbewerbssituation, zu prüfen gewesen, ob sich durch eine Preiserhöhung mindestens der Besitzstands-Deckungsbeitrag pro Zubereitungsminute des “normalen” Kaffees erzielen ließe. Weiterhin wären noch Prozessanalysen hinsichtlich eines optimalen Prozessablaufes durchzuführen, um die Prozesszeit pro Eiskaffee eventuell zu reduzieren. Schließlich mag sich auch noch die Frage stellen, ob tatsächlich der DB pro Arbeitsminute und nicht der DB pro Quadratmeter Cafehausfläche der Engpass ist. Häufig sind Starbucks-Cafes vom Sitzangebot zu knapp bemessen und am Eiskaffee löffelt/trinkt man länger als an einem normalen Kaffee. Deshalb ist das Kaffeehaus mit weniger Umsatz immer voll und potenzielle Kunden schlendern wegen Überfüllung weiter. Engpassüberlegungen sind spannend im Controlling und können auch massive Ergebniseffekte haben.

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