Insider-Buch: “Was für ein Wahnsinn”

cover BERBücherlesen ist eines meiner liebsten Hobbies. Ich bin neugierig auf ziemlich alles, lese oft mehrere Bücher parallel;  Lesen ist ein wunderbarer, Spaß bringender Ausgleich.

Zu meinen neuesten gelesenen Büchern zähle ich nun “Der Hauptstadt-Flughafen – Politik und Missmanagement – Ein Insider berichtet” von Matthias Roth (2013 zu Klampen Verlag, ISBN 978-3-86674-228-4).

Der Autor, Jahrgang 1974, beschreibt seine Erlebnisse als Referent in der Zentralen Controllingabteilung der Berliner Flughafengesellschaft von Juli 2010 bis Dezember 2011.

In drei Runden seien mit ihm als Bewerber, damals mit 7 Jahren Berufserfahrung als Controller und Risikomanager, seine Aufgaben besprochen worden, beschreibt er eingangs: das Controlling der Baustelle, auf der der neue Hauptstadtflughafen entsteht.

Auf 180 Seiten erlebt der Leser in einer Art Tagebuch eine unaufhaltsame Desillusionierung, völlige Unterbeschäftigung, wachsenden Frust – ein Controlling im BER zu jener Zeit, das nach diesen Schilderungen im ICV-Verständnis eigentlich gar nicht stattfand, von “Partner des Managements” ganz zu schweigen. Berichte ohne Resonanz, aufwändige Planungen ohne wirkliche Bedeutung und Beachtung – ein Bild wird gemalt, wie Controlling ganz sicher nicht funktioniert.

Am Ende ist der Autor in den 18 Monaten zweimal auf der Baustelle gewesen. Im letzten Drittel des Buches berichtet Roth von einem Gespräch mit befreundeten Kollegen, in dem er sagt: “Ich glaube, meine wichtigste Aufgabe ist, die Abteilung hier personell zu vergrößern.” Und jemand pflichtet bei: “Das habe ich so noch nicht gehört, aber ich glaube, das ist die wichtigste Aufgabe vieler Mitarbeiter in der Verwaltung des Flughafens”.

Mit der Aufreihung frustrierender Ereignisse wachsen Kritik und Selbstkritik, als zunehmend deprimierter Leser erlebt man die innere Kündigung mit. Wieder zitiert sich Roth aus einem Kollegengespräch: “Ich meine im Ernst, dieses Unternehmen ist eine Katstrophe und ich bin Teil davon. Wir alle sind Teil davon.”

Bemerkenswert auch diese Position des Autors, die er nach einer direkten Auseinandersetzung mit der damaligen “Nummer 1″ des Unternehmens zum Risikomanagement gegenüber seinem unmittelbaren Vorgesetzten äußert: “Der Flughafen gehört ihm nicht. … Der Flughafen gehört mir. … Ja, mir. Als Bürger der Bundesrepublik und zusätzlich noch mehr als Einwohner Berlins bin ich stimmberechtigter Gesellschafter dieses Unternehmens. Das ist mein Flughafen, und der Mann da oben muss eigentlich tun, was ich ihm sage. Aber das scheint er nicht mehr zu wissen.”

Das nach qualvollen Seiten auch vom Leser ersehnte Ende, seine letzten Minuten als BER-Controller, beschreibt Roth so: “18 Monate, was für ein Wahnsinn. … …eine Etage tiefer durch die Tür zur Parkgarage, sie fällt krachend hinter mir zu. Ich stehe im Schneeregen, es ist dunkel, es ist kalt. es ist feucht. Es ist großartig.”

Erleichterung auch bei mir, als ich das Buch zur Seite legte.

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