Mehr Controlling in China erwünscht – der ICV ist dabei

Am 26. Oktober fand in Shanghai die erste chinesisch-deutsche Controllingkonferenz statt, die vom Shanghai National Accounting Institute (SNAI), dem Internationalen Controller Verein und der Controller Akademie veranstaltet sowie von Skoda, eine Marke der Firma Shanghai Volkswagen, finanziell unterstützt wurde.

Mehr als 250 chinesische Finanzvorstände und Führungskräfte in der Finanzfunktion sowie interessierte deutsche Praktiker trafen sich auf dem Campus von SNAI, um das Konzept des Controllings kennenzulernen und mit Blick auf seine Anwendbarkeit in einem chinesischen Kontext zu diskutieren. Jeweils drei Vorträge von deutscher und chinesischer Seite sowie eine Podiumsdiskussion mit allen Referenten vermittelten viele neue Einsichten und Anregungen, wie auch die äußerst angeregte Frage und Antwort-Runde am Ende der Veranstaltung zeigte.

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Nach der Begrüßung durch Professor Kouqing Li, Präsident des Shanghai National Accounting Institute, und einem auf Video übertragenen Grußwort von Siegfried Gänßlen, Vorsitzender des Internationalen Controller Vereins, stellte Professor Utz Schäffer (Bild) das Konzept des Controllings sowie das Grundlagenpapier von ICV und International Group of Controlling vor. Seine Kernthese: Controller sind in Deutschland deshalb so erfolgreich, weil sie einen wesentlichen Beitrag zum wirtschaftlichen Erfolg des Unternehmens beisteuern. Als Partner des Managements verbinden sie die Welt der Zahlen zukunftsorientiert mit dem operativen Geschäft.

Von deutscher Seite wurden die Ausführungen Professor Schäffers durch Vorträge von Bernd Pichler (Shanghai Volkswagen Automotive) und Dr. Zhen Huang (Managementberater und Exklusivpartner der Controller Akademie in China) ergänzt. Bernd Pichler stellte die Praxis des Vertriebscontrollings bei Volkswagen in China vor und hielt ein flammendes Plädoyer für mehr Controlling auch in chinesischen Unternehmen. Dr. Huang schloss sich dem an und verdeutlichte den Teilnehmern, dass der Schlüssel zum Erfolg in China darin liegt, Controlling als „People Business“ zu sehen und neben der Optimierung von Methoden und IT-Unterstützung die Veränderung der traditionellen Managementkultur durch mehr Training und Kommunikation herbeizuführen.

Prof. Jiang Bailing (SNAI), Meng Xiangyun, Chief Accountant von Bao Steel, sowie Lu Liu, Partnerin bei Lucanet, ergänzten die deutschen Beiträge und referierten über Controllingverständnis und -praxis aus chinesischer Sicht. Dabei wurde deutlich, dass die Finanzfunktion chinesischer Unternehmen noch in hohem Maße von Fragen des Rechnungswesens und der internen Revision geprägt ist, aber einzelne Pioniere – wie etwa Bao Steel als Antwort auf eine Unternehmenskrise in 2009 – bereits konsequent den Weg in Richtung mehr Controlling gehen.

Fazit der Veranstaltung: Auch wenn eine interne Transparenzkultur und ein Controllingverständnis im westlichen Sinne in chinesischen Unternehmen heute allenfalls in Ansätzen vorhanden ist: die meisten Teilnehmer waren sich einig, dass Controlling im Zuge einer fortschreitenden Globalisierung und auch vor dem Hintergrund einer möglichen Abschwächung des Wachstums in China zunehmend erforderlich wird. Die damit verbundene Herausforderung ist gewaltig: Als Hindernisse bei einer stärkeren Verankerung des Controllings in China wurden neben institutionellen Faktoren vor allem tief verwurzelte kulturelle Aspekte und eine anders geartete, nur bedingt transparenzaffine chinesische Managementphilosophie identifiziert. Entsprechend waren sich alle Teilnehmer einig, dass der Dialog fortgesetzt werden und im nächsten Jahr eine zweite chinesisch-deutsche Controlling-Konferenz stattfinden sollte.

Kontakt:

Prof. Dr. Utz Schäffer, Director Institute of Management Accounting and Control (IMC), utz.schaeffer@whu.edu, Phone +49 261 6509 701

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