Udo Kraus, Leiter Controlling und Accounting, Hansgrohe AG, Schiltach, Ltr. AK Südwest, stv. Ltr. FAK Moderne Budgetierung des ICV, und Michael Kappes, Leiter Competence Team Planung, Horváth & Partners Management Consultants, Stuttgart

1. Motivation für Gestaltungsempfehlungen zu einer modernen Budgetierung

1a) Kritik an der Planung

– viele Planungsschleifen

– mangelnde Flexibilität

– eingebaute Sicherheiten

– …

Zusammengefasst: hoher Aufwand, weniger Effizienz, unbefriedigende Qualität

1b) Einflüsse auf die Planung

– Währungsschwankungen

– Materialpreisexplosionen

– Wirtschaftskrise

Konsequenz: starke Schwankungen, hohe Dynamik, …

2. Prinzipien für eine moderne Budgetierung

Der Facharbeitskreis “Moderne Budgetierung” des ICV hat 6 Prinzipien erarbeitet:

– einfach

– flexibel

– integriert

– Absichten klar machen

– Wertschöpfung abbilden

– Organisation abbilden

2a) zum Prinzip “Einfachheit”: Einfachheit in der Planung lautet u.a. konkret:

– auf steuerungsrelevante Inhalte beschränken

– wenige Eingangsgrößen sollten viele weitere Größen ableitbar machen

– schlanke Abläufe

– Planungsschleifen durch eindeutige Prämissen vermeiden

– Benutzerfreundliche Planungssoftware

– Beispiele für einfache Planung:

– Konzentration auf die 80:20-Regel. Mit 20 Prozent ihrer Artikel haben sie häufig 80 Prozent ihres Umsatzes geplant

– Konzentration auf wenige Planungs- und Berichtswesenzeilen

– Die Planungsleitlinien oder Prämissen für Umsatz, Ergebnis sowie Investitionen werden von der Marktklassifizierung abgeleitet: Intensive Auseinandersetzung mit dem Markt bereits vor dem Budget ( Controller, Sales Director, Tochter-GF). Danach erfolgt Bottom-Up-Planung unter Einhaltung der Prämissen (Pro-Kopf-Umsatz). In Matrix-Organisation: Definition eines führenden Bereiches (z.B. Regionales Management vor Produkt-Management).

2b) zum Punkt Flexibilität

– Unternehmens- und Führungskultur: Offenheit, Realismus und die Bereitschaft, Änderungen unterjährig durchzuführen und aus Fehlern zu lernen

– Die richtigen Frühwarnsysteme finden

– Rollierende Forecasts

– Szenarien in Verbindung mit Kosten Freeze Szenarien

– Unterjährige Umschichtungen von Ressourcen ohne aufwendige/langwierige Abstimmungsprozesse

– relative Ziele

– Verbesserung der operativen Exzellenz

Beispiele für “Flexibilität”:

– Externe Indikatoren werden monatliche ausgewertet, die auf das Unternehmen am besten zutreffen; zunehmend sind interne Indikatoren (wöchentlich, täglich) einzufügen; schließlich Wettbewerbsbenchmarking (Sortiment, Projekte, Investitionen, Vertriebsmaßnahmen)

– monatlicher Umsatz-Forecast, der jeweils nur eine Zahl pro Monat und Land beinhaltet (in nur wenigen Minuten erstellt, einfache Anwendung und hohes Maß an Akzeptanz; 18 Monate rollierend)

– Berechnung der monatlichen “Einflugschneise” auf Basis der aktuellen Umsatz-Forecasts pro Land (Berechnung der Deckungsbeiträge, Simulation der Overheadkosten)

– “Contingency Pläne”: Was passiert bei einem Umsatzrückgang von 10 Prozent und 20 Prozent (Szenarien mit Kostenübersicht und GuV).

– Stresstest/Sensitivitätsanalysen: Währungsschwankungen um 10 und 20 Prozent bzw. Rohstoffpreisschwankungen

2c) zum Punkt “Integration”, was konkret bedeutet:

– Integration der Pläne

– Strategieintegration

– Funktionale Integration der Teilpläne (z.B. Integration Vertriebs- und Produktionsplanung)

– Integrierte Finanzplanung

– Integration der Steuerungsprozesse

– Operative Planung und Forecast

– Integration mit dem Reporting

– Budget und Anreizsysteme nur lose koppeln; Unternehmensziele betonen

Beispiel: 1.)Start im Frühjahr mit der Businessplanung (Entwicklung von strategischen Zielen und Initiativen); 2.) Budget (Ableitung der BP-Ziele in die jährliche Budgetplanung); 3.) Ableitung der Jahresziele (Ableitung der Ziele und Integration in die ZEPs (Mgmt. by Objectives); 4.) Monatliches Reporting; 5.) Quartalsweise Roadmap/QRM Rieview

2d) weitere Prinzipien einer modernen Budgetierung:

– Wertschöpfung abbilden (Basis für Planung und Steuerung: Geschäftsmodell; Voraussetzung: Verständnis der eigenen Wertschöpfungskette)

– Organisation abbilden (Ziele und Pläne müssen die Verantwortung in der Organisation abbilden; Vermeidung von lokalen Optima (Gesamtunternehmenssicht)

– Absichten klarmachen (Ziele und Absichten hinter den Plan-Zielen verdeutlichen

– Mitarbeiter und Dezentrale ausreichend integrieren

– Umsetzungsverantwortung bei den Mitarbeitern.

3. Ausblick

– es gibt keine grundsätzlichen neuen Instrumente

– es gibt nicht die eine Lösung für moderne Budgetierung, die für alle Unternehmen passt

– moderne Budgetierung ist auf das jeweilige Unternehmen zu individualisieren

Ein Whitepaper des Arbeitskreises “Moderne Budgetierung” des ICV finden Sie unter http://www.controllerverein.com/redaktion/download.php?type=file&id=2622

Die Referenten:

Udo Kraus, Leiter Controlling und Accounting, Hansgrohe AG, Schiltach,

Michael Kappes, Leiter Competence Team Planung, Horváth & Partners Management Consultants, Stuttgart

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.