Dr. Klaus Patzak, Leiter Finanzen Osram GmbH, berichtet über die Entwicklung und den Inhalt von “One Siemens”.

Noch vor einem Jahrzehnt lastete ein hoher Druck auf Siemens durch:

  • Komplexes Portfolio
  • Volatiles Geschäft mit schwachen Margen

Siemens startete mehrere Programme seit 1998. Im April 2005 startete das Programm Fit4More, in dem es neben Ziele auch um Treiber für Wertsteigerung ging. Für dieses Projekt gab es einen festen Termin. Der Fokus war: Profitables Wachstum. Ohne Wachstum ist kein Fortschritt möglich. Was Benjamin Franklin formulierte, gilt auch noch heute. Wachstum kann sich unterschiedlich gestalten. Für Siemens ging es um nachhaltiges Wachstum in Kernbereich des Portfolios.

Für die Generierung von Wachstum sind insbesondere folgende Megatrends von Bedeutung. Wie kann Siemens davon profitieren: Demographischer Wandel, Urbanisierung, Klimawandel, Globalisierung?

Das Portfolio musste bei Siemens auf diese Megatrends ausgerichtet werden. Die Fokussierung auf bestehende Megatrends hat bei Siemens zu einem beachtlichen Umbau geführt.

Das Programm Fit4More wurde erfolgreich abgeschlossen. Dennoch blieben Stimmen, die meinten, dass Siemens noch immer zu komplex sei. Eine breitere Transformationsaufgabe wurde adressiert. Dann kam für Siemens die Compliance-Krise. Dadurch wurde Siemens im Finanzbereich sehr gefordert. Siemens musste aber auch im operativen Bereich auf Kurs bleiben. Durch eine starke operative Performance musste Siemens vor Angriffen in dieser Zeit geschützt werden. Daher wurde TAP (Transparency, Accountability, Performance) ins Leben gerufen. Prioritäten waren: Weitere Optimierung der Portfolios, Straffung der Führungsstruktur, Kapitalallokation, Eigentümerkultur bei den Mitarbeitern, Kostenreduzierung, Supply-Chain-Initiative und SMART-Programm (einfachere Produkte für Emerging Markets).

Im Zusammenhang mit diesem Programm wurde die regionale Struktur gestrafft. Weiterhin erfolgte eine Straffung der Führungsstruktur auf 3 Sektoren (Industry, Energy, Healthcare). Diese CEOs dieser Bereiche sind auch im Vorstand vertreten.

Mit dem Programm Fit 4 2010 hatte das Ziel, die SG&A-Aufwendungen um 10 Prozent zu reduzieren. Hierbei sollten nicht nur Kosten “gequetscht” werden, sondern auch eine Strukturverbesserung erzielt werden. Auch sollten Kostentreiber identifiziert werden. Ein Kostentreiber war die Anzahl der Gesellschaften. Das interne Kontrollsystem für diese Gesellschaften kostete Siemens viel Geld. Der Kapitalmarkt konnte immer sehen, dass wir mit unseren Programmen auf dem richtigen Weg waren. Im Programm 4 For 2010 sollte Siemens zweimal so stark gewachsen werden wie das entsprechende Bruttosozialprodukt in den jeweiligen Märkten. Auch die Profitabilität wurde erreicht. Ebenso die Cash-Performance (gemessen an der Cash Conversion). Ebenso wurde unsere Kapitalstruktur verbessert werden (angepasste industrielle Netto-Verschuldung / EBITDA). Schließlich kam Siemens auch in der Kapitaleffizienz nach vorne, gemessen am ROCE.

Dann stellte sich die Frage: Was sollte nach Fit 4 2010 kommen.

Resümee: Das SG&A-Programm, Operational Excellence, das Timing (Programmstart als es wirtschaftlich gut ging), Straffes Casch & Asset Management, Effiziente Finanz- u. Controlling-Organisation, Entwicklung einer Eigentümer-Kultur bei den Mitarbeitern (verpflichtender Aktienbesitz der Grundvergütung für Führungskräfte, Langfristige Anreizsysteme, Attraktive Mitarbeiteraktien). 130.000 Mitarbeiter haben Siemens-Aktien, d.h. ein Drittel der Belegschaft.

Siemens brauchte kein neue Programm, sondern ein neues finanzielles Rahmenkonzept: One Siemens. Das Fundament ist die kontinuierliche Verbesserung gegenüber Markt/Wettbewerber. Siemens will sich am Umsatzwachstum gegenüber den Mitbewerbern messen lassen. Daneben bestehen Ziele für Kapitaleffizienz und Kapitalstruktur. Für die 3 Industriesektoren wurden EBITDA-Margen über einen Branchen-Zyklus hinweg definiert. Auch für das neue Programm gibt es ein Cockpit, über das Siemens halbjährlich über den Fortschritt des Programms auf der Investor-Relations-Homepage berichtet.

Wachstum ist weiterhin für Siemens wichtig. Es kommt aus 2 Quellen: 1.) aus der Innovationskraft von Siemens und 2.) aus der globalen Aufstellung (=Wachstum in den Schwellenländern). Auch in den entwickelten Industrieländern besteht noch Wachstum, z. B. Umweltportfolio.

Es wird weiterhin einen Wandel bei Siemens geben, der aktiv zu gestalten ist, z. B. durch den Börsengang von Osram (geplant für Herbst 2011). Weiterhin übernimmt Atos Origin das Geschäft der Siemens IT Solutions und Services (SIS).

Dr. Klaus Patzak, Leiter Finanzen Osram GmbH

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