Paul Krugman – Dompteur im Raubtierkäfig

Unter diesem Titel brachte die FTD am 26.4.09 einen Artikel über den streitbaren US-Ökonomen. Seine Thesen lauten u.a.:

  • “Ich mag freie Märkte, bin aber überzeugt, dass diese ein gewisses Maß an staatlicher Aufsicht brauchen, um Marktversagen zu korrigieren und Stabilität zu gewährleisten”
  • Die verbreitete These, wonach der freie Handel einen Verdrängungswettbewerb auslöse, der vor allem in Hochlohnländern Arbeitsplätze koste, weist er mit dem Argument zurück, die weltweite Vernetzung habe den Lebensstandard überall gesteigert. Aber die Früchte der Arbeit würden nicht fair verteilt: Einkommensunterschiede verschärften sich.
  • Die Steuern sind nicht weiter zu senken.

Eindeutig sind seine Ratschläge zur Bekämpfung der aktuellen Krise:

  • “Auf der ganzen Welt muss zweierlei geschehen: Die Kredite müssen wieder zum Laufen gebracht werden, und die Nachfrage muss gestärkt werden”, schreibt Krugman in seinem jüngsten Buch “Die neue Weltwirtschaftskrise”.
  • Europa und die USA müssten viel mehr Geld in die Ankurbelung der Nachfrage stecken als bislang.
  • Der Bundesregierung warf Krugman sogar “Dummheit” vor, weil sie sich bisher weigerte, ihre Konjunkturprogramme weiter aufzustocken.

Was halten Sie von Krugmans Thesen aus der Sicht von Unternehmenscontrollern? Was würden sie für den Standort Deutschland bedeuten? Überhaupt, was ist Ihre Meinung als Controller zur Zukunft des Standortes Deutschland? Wir könnten noch einen Schritt weiter gehen: Wie könnte eine parteiübergreifende Strategie für Deutschland formuliert sein und daraus abgeleitet evtl. eine Deutschland-Scorecard?

Der Controller-Verein setzt sich aus Controllern fast aller gesellschaftlichen Bereiche zusammen: privatwirtschaftliche Unternehmen, Medien, soziale Einrichtungen, öffentliche Verwaltung etc. Die Fachkompetenz wäre da, bleibt die Frage nach dem Nutzen: als methodisches Großprojekt, als Checkliste für Wahlen oder als PR-Aktion für den ICV?

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3 Kommentare

  1. Wie weit man die Verdienste von Herr Krugmann nun loben kann ist schwierig zu sagen. Es kommt ja auch immer darauf an, wie gut die Persönlichkeiten în Machtpositionen die Ideen findnen und auch bereits sind diese umzusetzen. Ich bin nun aber schon überrascht, dass Herr Krugmann nun so starke staatliche Unterstützung verlangt. Märkte regulieren sich selber. Dazu gehören auch scharfe Einschnitte, sie bilden den Reinigungsprozess von nicht zukunftsträchtigen Strukturen und schaffen den aum zum Aufbau von Neuem. Natürlich benötigt der Markt Spielregeln und die muss der Staat oder die Staatengemeinschaft festlegen. Der zu entrichtende Preis für das festlegen und durchsetzen der Spielregeln sowie von ordnungspoliltischen Massnahmen schlägt sich in der Höhe der Steuern nieder. Logischerweise steigen die Steuern an, je mehr Aufgaben die Bürger ihrem Staat übergeben, desto höher wird die Abgabelast. Das ist gefährlich, denn die Aufgabenausführungen von Staaten liegen in den Händen von Beamten …. und diese sind ja bekannt dafür, dass sie nicht gerade effizient und effektiv – wie wir es in Controllersprache pflegen auszudrücken – arbeiten.
    Ich habe mir in den letzten Tagen mit grosser Besorgnis die Bilanzsummeen von FED und EZB angeschaut. In dem Ausmass, wie die Bilanzsummen von den Geschäftsbanken zu schrumpfen beginnen weiten sich nun die Bilanzsummen der Notenbanken aus. Der Risikotransfer zum Steuerzahler hat also bereits stattgefunden. Wenn das schon in einem so grossen Ausmass stattfindet, hätten die Staaten eigentlich das Bankenwesen vorübergehend global verstaatlichen müssen. So hätten sie sich auch die Türe offengelassen entsprechend dem eingegangenen Risiko in ein paar Jahren bei der Reprivatisierung zu partizipieren. Aus Sicht der Spielregeln wäre das nötig gewesen, um den Sumpf einer Branche, dessen Akteure die Bodenhaftung vollkommen verloren haben, auszutrocknen und neu zu bestellen. Die Banken müssen die Kredite vergeben und damti auch Risiken eingehen. Auch jeder Unternehmer der ein Produkt herstellt geht Risiken ein. Er tut das jedoch in erster Linie weil er eine Chance sieht und diese verwirklichen will. Zur Finanzierung seiner Vorhaben benötigt er finanzielle Mittel und die sollte ein Bank zur Verfügung stellen. Die logische Konsequenz daraus, dass die Banken das vernachlässigte Kreditgeschäft wieder stärken. Dass unternehmerisch denkende Kreditsachbearbeiter und -verantwortliche, die Wissen und mit gesundem Menschanverstand abschätzen können was es braucht unternehmerische Ideen umzusetzen. Dazu sind natürlich auch die unzulänglichen Ratingsystem umzubauen. Schlussendliche Lösung der Forderung von Herr Krugmann: Banker müssen wieder zu bodenständigen Partnern von Unternehmern werden und der unsäglichen Spekulationkultur den endgültigen Riegel schieben!

  2. Krugman ist nicht nur einer der brillantesten Kolumnisten unserer Zeit, er ist auch Wirtschaftsnobelpreisträger und Princeton-Professor und Weltfinanzkrisen-Erklärer, und das nicht erst seit gestern. Keiner versteht es, komplizierte wirtschaftswissenschaftliche Zusammenhänge so zugespitzt zu formulieren, dass es Politiker und Banker schmerzt, die Wahrheit so ungeschminkt zu lesen.

    Wenn Paul Krugman von “Politik der Unvernunft”, größenwahnsinnigen “Masters of the Universe”, “Greenspans Blasen” und “bösartiger Vernachlässigung” systemimmanenter Risiken spricht, dann klingt dies sicher schrill in den Ohren von Präsidenten, Ministern, Zentralbankern, Managern. Aber es ist die Wahrheit: Krugman bringt auf den Punkt, woran das System krankt. An Selbstüberschätzung und Arroganz der Protagonisten, an Gier, an der “Verführung zum Risiko” (81), an kurzsichtigen und mitunter korrupten Politikern (81), an faulen Krediten, an Intransparenz, an Blasenbildungen – und am Irrglauben, alle Rezessions- und Depressionsrisiken im Griff zu haben. Trotz aller Komplexität kann der Blogger und Kolumnist Krugman dies gut erklären.

  3. Man kann nicht bestreiten, dass Krugmann ein sehr renomierter Ökonom unserer Zeit ist. Jedoch muss es auch erlaubt sein, seine Aussagen zu hinterfragen. Sicher sind viele seiner Aussagen zutreffend, jedoch muss man diese auch spezifizieren. Was z.B die ‘fahrlässige’ Vergabe von Krediten in den USA bewirkt hat, ist ja hinreichend bekannt. Sicher ist es wichtig, die Kreditvergabe wieder zu verbessern, aber mit genauen Prüfungen und Regeln. Zudem halte ich es für sehr anmaßend, die Haltung der Bundesregierung als ‘Dummheit’ zu bezeichnen. Bisher halte ich das Verhalten der Regierung für angemessen.

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