Amalia Moser, Flugkapitän, Wirtschaftspsychologin, Business Coach und Trainer, Dorfen/Erding

Digitalisierung, Automatisierung und Vernetzung bestimmen immer mehr unser Lebens- und Arbeitsumfeld, auch im Cockpit. Was passiert mit dem Menschen im Cockpit? Er hat sich vom Handwerker, zum Systemmenschen, zum Strategen und Entscheidungsträger entwickelt.

Viel Personal ist inzwischen wegrationalisiert worden. Von 7 zu 2 Mitarbeiter im Cockpit. Die Zeiten beim Turn-Around sind kürzer geworden. 20-60 Minuten, je nach Größe.

Bei 30 Millionen Flüge gab es in 2016 4 schwere Unfälle. Die Sicherheit hat sich sehr erhöht.

Im Cockpit haben wir inzwischen eine redundante Basiskompetenz. Geblieben ist die Hierarchie. Piloten sind beide. Beide können fliegen, aber nur einer ist der Kapitän, der, der links sitzt. Was zählt, ist nicht der Einzelne, sondern das Ergebnis. Alle Pilotenkontrollen basieren auf Teambasis. Bei einer Prüfung kann nicht der eine Pilot durchfallen und der andere exzellent bestehen. Es gibt ein Rollenkonzept: Fliegender und assistierender Pilot wechseln nach jedem Flug. Einer fliegt und der andere schaut. Man kann nicht beides gleichzeitig gleich gut. Daraus entstehen flexible und vernetzte Einsatzstrukturen. Jeder kann mit jedem fliegen. Es kommt eine hohe Standardisierung dazu, ebenso die Checkliste. Für einen Flug besteht eine Checkliste in der Größe einer I-Pad-Seite.

Checklisten können die Kreativität fördern.

Gleichzeitig haben wir im Rahmen der Digitalisierung hohe Wahrnehmungskompetenzen: a) Abgleich (siehst Du das Gleiche wie ich?, b) in welcher Situation (Was, Wann, Warum)?

Weiterhin geht es darum, strukturierte Entscheidungen zu treffen, nach dem Schema F O R D E C (Facts, Options, Risks, Decision, Execution, Check)

Besonders wichtig ist Check. Man muss immer überprüfen, ob die Entscheidung auf Basis neuer Fakten noch einmal revidiert werden muss.

Das ganze Team muss „mitgenommen“ werden, nicht nur die Mitarbeiter aus dem Cockpit. Fühlt sich das Kabinenpersonal mitgenommen, erhält man auch alle nötigen Informationen aus der Kabine, sonst nur: „Alles in Ordnung!“

Achtsames Handeln ist notwendig, um Fehler zu vermeiden oder rechtzeitig gegenzusteuern.

Das Crew Resource Management besteht aus Kooperation, Leadership, Decision Making und situativer Achtsamkeit, die alle durch Kommunikation verbunden sind.

Ein Fehler besteht fast immer aus einer Fehlerkette: latente Fehler und aktive Fehler. Gelingt es an einer Stelle, diese Fehlerkette zu unterbrechen?

Wie kann man mit einem Fehler konstruktiv umgehen? Indem man eine positive Fehlerkultur schafft durch:

– Fehlerakzeptanz

– Sanktionsfreiheit, d.h. Fehler, die zugegeben werden, werden nicht sanktioniert, soweit sie nicht grob fahrlässig sind.

– Die Sanktionsfreiheit funktioniert nur von oben nach unten

– die Fehler müssen sehr sachlich, mit Begründung, kommuniziert werden. Man soll reflektieren, etwas lernen.

– sehr wichtig ist die Schulung. Kaum eine Branche dürfte mehr Schulen als die Luftfahrt. Für diese Schulungen besteht eine Verpflichtung.

Die Menschen sind dadurch eigenverantwortlicher, selbstbewusster und unternehmerischer geworden. Dieser Prozess ist dynamisch und wird niemals zu Ende sein.



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