Jahrelang hatte ich, außer in Seminaren der Controller-Akademie, nichts mehr vom Zero-Base-Budgeting gehört. Doch jetzt scheint es so etwas wie eine Renaissance zu geben. In Krisenzeiten ist Kostenmanagement offensichtlich wieder en vogue. Kaum jemand wagt mehr vom Shareholder-Value zu sprechen. Vielfach ist aber der Satz zu hören: „Wir müssen wieder Zero Base Budgeting machen!“ So auch im FTD-Dossier „Krisenstrategie“ vom 23. Januar 2009. Dort heißt es u.a. auf Seite 4: „Dauerhafte Disziplin bei der Ressourcenverteilung lässt sich auf unterschiedliche Weise erreichen. Viele Firmen leiten das Budget für das nächste Jahr von den Ausgaben des Vorjahres ab. Angesichts einer tief greifenden Rezession in Brasilien ging der Einzelhändler Lojas Americanas einen anderen Weg und führte das sogenannte „Zero Based Budgeting“ ein. Dabei müssen die Manager bei der Budgeterstellung stets bei Null anfangen und jeden Posten aufs Neue rechtfertigen.“ Das klingt aber nicht nach dem ZBB von Peter A. Pyhrr, der dieses Verfahren 1960 bei Texas Instruments einführte. Anschließend wurde es von Jimmy Carter als Gouverneur von Georgia für staatliche Einrichtungen übernommen und erreichte so Weltruhm. Zentraler Prozess dieses ZBB war neben der Null-Basis-Planung ein Ranking der Maßnahmen, was in dem Beispiel der FTD aber nicht erwähnt ist. Insofern entspricht der neue Modetrend „ZBB“ eher der traditionsorientierten analytischen Kostenplanung, aber als attraktiver Anglizismus ausgedrückt. Dabei ergeben die ziel- und prozesskonformen Maßnahmen das Budget und nicht ein adjustierter Vorjahreswert. In Krisenzeiten lohnt es sich offensichtlich wieder „Erbsen zu zählen“. Nutzen wir diese Zeit mit Verstand und zählen eben die Erbsen, wobei wir hoffentlich nicht das „Kind mit dem Bad“ ausschütten werden.

Neues zum Krisenmanagement finden Sie möglicherweise auf der Homepage von Donald Sull http://www.donsull.com/. Er gilt international als führender Professor für Strategien in volatilen Märkten.

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