Wer praktiziert noch die flexible Plankostenrechnung?

Zur Zeit befinde ich mich an einem für mich historischen Ort: dem Holiday Inn Airport-North in Frankfurt. Zum letzten Mal war ich in diesem Hotel 1981. Damals hieß es noch Crest-Hotel und ich besuchte in diesem Hotel mit ca. 160 Teilnehmern ein Plankostenrechnungsseminar der Arbeitsgemeinschaft Planung (AGPLAN). Referenten waren damals Prof. Kilger, Prof. Medicke, Dr. Hans-Georg Plaut und Dr. Karl Gans. Auf der Teilnehmerliste fand ich als Teilnehmer auch Dr. Eckhard Cordes, damals Mitarbeiter der Mercedes Benz AG, heute Vorstandsvorsitzender der Metro AG. Dieses Seminar war Anfang der 80er Jahre der “Hit” der betriebswirtschaftlichen Seminarszene. Heute bin ich wieder in diesem Hotel, diesmal als Referent, mit 11 Controllern als Teilnehmern, von denen nur noch einer den Begriff “Sollkosten” kennt, einem wesentlichen Begriff der flexiblen Plankostenrechnung. Auch, so meinte ein teilnehmender Controller, ist Kostenstellenrechnung heute vom Image her das “Vorletzte” vor der Buchhaltung und erntete für diese Bemerkung Empörung von anwesenden Buchhaltern/Controllern. Kernfrage der studierten Teilnehmer war jedoch: “Ist das Controlling???” “Wir haben noch nie etwas von der Trennung zwischen Fertigungs- und Hilfslöhnen gehört!” “Wer sagt, das man das so machen sollte?” “Ihr Verein? (gemeint der ICV)”. Zugegeben: Ich habe zunehmend Argumentationsprobleme. Was nützt die beste Kostenrechnungsphilosophie, die auch von vielen US-Controllern in Form des Ressource Consumption Accountings respektiert wird, wenn von den jüngeren Controller kaum jemand sie mehr kennt und praktiziert. Vielleicht gibt es aber auch irgendwann einen Relaunch, wenn jemand dieses gute, aber etwas aufwendige System, vom Staub der Geschichte befreit und als Modethema propagiert. Wir werden sehen.

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