Bis zum 31. Januar konnten sich Controller und Controller-Teams mit ihrer Controlling-Lösung um den renommierten „ICV Controlling Excellence Award 2018“ des Internationalen Controller Vereins (ICV) bewerben. Anfang März hat die Jury drei Arbeiten für die Preisverleihung am 23. April in München auf Europas größter Controlling-Fachtagung, dem 43. Congress der Controller, nominiert: die Brau Union Österreich AG, Linz mit dem Projekt „KPI Framework in der Supply Chain der Brau Union Österreich AG“, die Robert Bosch GmbH, Division Powertrain Solutions (Diesel Systems), Stuttgart mit dem Projekt „Big-Data-basierter Ansatz zur Optimierung Net Working Capital bei Bosch/Diesel Systems“ sowie den Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek), Berlin mit dem Projekt „GKV Planungstool als Controllinglösung des vdek zur Planung der Finanzentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung“.

Die drei Nominierten können nun per Juryvotum Nachfolger von Edeka Südwest werden, das 2017 mit dem „ControllerPreis“ – der 2018 erstmals „ICV Controlling Excellence Award“ heißt – ausgezeichnet wurde. Die internationale Jury wird von Prof. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber, WHU – Otto Beisheim School of Management, Institut für Management und Controlling (IMC) und Vorsitzender des ICV-Kuratoriums geleitet. Die Jury-Entscheidung orientierte sich am gemeinsamen Controller-Leitbild von ICV und International Group of Controlling (IGC). Eine vorbildliche Controllerarbeit liegt demnach dann vor, wenn Controller damit eine spürbare Veränderung erzielen, die Lösung praxiserprobt ist und diese Veränderung nicht nur das Controlling selbst betrifft, sondern das Unternehmen auch insgesamt erfolgreicher macht. Die Veränderung muss zudem von den Controllern intern erarbeitet worden und innovativ sein.

Die ICV-Jury hatte eine schwierige Aufgabe zu erfüllen, denn die Qualität der Einreichungen war in diesem Jahr so hoch wie noch nie, berichtet Professor Weber. Die Jury nominierte unter anderem eine richtungweisende Lösung aus dem Themenfeld „Digitalisierung“, das für die gesamte Controlling-Community überaus aktuell ist. Eine andere Nominierung betrifft mit Supply Chain Management einen Bereich mit Steigerungspotenzial. Die nominierte Lösung des Ersatzkassenverbandes, überwiegend konzipiert von Finanzcontrollern der Barmer, hat dagegen nicht nur eine erhebliche finanzwirtschaftliche Bedeutung für einzelne Krankenkassen. Vielmehr können eine Vielzahl von weiteren Antworten für die mittelfristige Ausgestaltung des gesamten Krankenkassenfinanzierungssystems in der Bundesrepublik gegeben werden.

Die Preisverleihung ist ein Höhepunkt des jährlich in München stattfindenden Congresses. Der Gewinner aus dem Kreis der drei Nominierten stellt seine Arbeit auf dem 43. Congress der Controller, am 23. April, 10:00 Uhr, im Plenum den über 600 Besuchern – Controlling-Experten, Managern, Consultants, Hochschullehrern und Medienvertretern – vor.

Verband der Ersatzkassen e. V. (vdek): „GKV-Planungstool als Controllinglösung des vdek zur Planung der Finanzentwicklung in der Gesetzlichen Krankenversicherung“
Das nominierte GKVPlanungstool hat der Verband der Ersatzkassen (vdek) beauftragt und die Barmer federführend als Gemeinschaftsprojekt aller Ersatzkassen – Barmer, Die Techniker, DAK Gesundheit, die Kaufmännische Krankenkasse, die HEK Hanseatische Krankenkasse und der hkk Handelskrankenkasse Bremen – erstellt. Die Krankenkassen brauchen ein Instrument zur Finanzplanung. Dazu gibt es keine Blaupausen auf dem Markt, da das GKV-System sehr speziell ist. Zudem muss die kassenindividuelle Planung mit einer Planung der Finanzentwicklung für die GKV flankiert werden, da diese die Grundlage auch für die Finanzentwicklung der Einzelkassen ist. Genau das bietet die nominierte Lösung. Mit dem neuen GKV-Planungstool ist es dem Projektteam gelungen, ein Tool und einen Gesamtprozess zu kreieren, in den nahezu alle Informationen einfließen, die das Krankenversicherungssystem in der Bundesrepublik betreffen. Als zentrale Größe wird dabei in einer Mittelfristplanung der von den Arbeitnehmern und den Arbeitgebern zu zahlende kostendeckende Beitragssatz ermittelt. Das Herzstück der Controllinglösung bilden die vollkommen neuartigen Financial Scoreboards, die die Finanzausstattung des Gesamtsystems in allen Bereichen auf Kennzahlenebene umfassend beschreiben. Eine wichtige Rolle im Gesamtprozess spielt dabei das fachliche Know-how des einzelnen Finanzcontrollers, der sämtliche Daten analysieren und bewerten muss, um sie anschließend mit technischer Unterstützung zu verarbeiten. Das GKV-Planungstool liefert als zentrale Information den kostendeckenden Beitragssatz für die GKV. Dieser wird dann vor allem auf Einzelkassenebene verwendet, um kurz- und mittelfristige Finanzplanungen zu erstellen und Preisstrategien zu entwickeln. Darüber hinaus werden die Ergebnisse sowohl für die politischen Diskussionen im Krankenversicherungssystem als auch für ein verbandsinternes Frühwarnsystem und einzelkassenspezifische Wettbewerbsbestimmungen benötigt.

Robert Bosch GmbH, Powertrain Solutions: „Big-Data-basierter Ansatz zur Optimierung des Net Working Capital bei Bosch Powertrain Solutions“
Wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern sich immer schneller und stellen das Controlling auch im Geschäftsbereich Powertrain Solutions der Robert Bosch GmbH vor die Herausforderung, Controlling-Methoden und -Prozesse adäquat anzupassen. Um Controller entsprechend dem eigenen Controller-Leitbild als Business-Partner zu etablieren, müssen Effizienzsteigerungen und ein höherer Automatisierungsgrad in den Basisprozessen erzielt werden. Aus diesen Gründen wurde im Geschäftsbereich Powertrain Solutions eine Digitalisierungsroadmap erarbeitet, die bis 2021 den flächendeckenden Einsatz von Big-Data-Tools im Controlling zum Ziel hat. Dies erforderte neben der Anpassung der IT-Infrastruktur zusätzliche Kompetenzen bei den Controllern im Umgang mit Big Data. Darüber hinaus waren schließlich organisatorische Anpassungen in Bezug auf die dauerhafte Zusammenarbeit in cross-funktionalen Teams zur Analyse und Bearbeitung der Ergebnisse aus den Big-Data-Anwendungen erforderlich. Um Erfahrungen mit der Nutzung von Big Data und den sich daraus ergebenden Herausforderungen am praktischen Beispiel sammeln zu können, wurde 2017 ein erstes Projekt mit einem Big Data & Analytics Tool gestartet. Dies hat eine bis dahin bestehende Lücke im Controlling im Umgang sowie der damit verbundenen Working-Capital-Optimierung durch moderne Algorithmen geschlossen. Das Projekt hat dadurch bereits Zielkonflikte innerhalb des Working Capital aufgedeckt, realisierbare Potenziale analysiert sowie Erfahrungswerte der Mitarbeiter in der Arbeitsweise mit BI-Tools festgehalten. Anhand der tagesaktuellen, detaillierten Daten aus dem Big Data & Analytics Tool kann Bosch Powertrain Solutions nun Potenziale aufdecken und mithilfe von Alert-Funktionen bei Abweichungen mit den betroffenen Fachabteilungen zeitnah gezielt gegensteuern. Mit der Überführung des Projekts in den operativen Betrieb im Jahr 2018 geht das Unternehmen nun einen wichtigen Schritt in diese Richtung.

Brau Union Österreich AG: „KPI (Key Performance Indicator) Framework in der Supply Chain der Brau Union Österreich AG“
Die Controller als Business Partner in der Brau Union Österreich AG wollen das finanzielle Wissen ihrer Managementpartner und deren Abteilungen erhöhen und so die Zusammenarbeit im Unternehmen, besonders in der Supply Chain, fördern. Dazu wurde ein Werkzeug geschaffen, mit dem alle Beteiligten ihren Beitrag zum Unternehmenserfolg erkennen und Steuerungsgrößen identifizieren können. Damit wird auch das Verständnis für finanzielle Daten in operativen Bereichen weiterentwickelt. Das KPI Framework ist im Governance Cycle integriert und somit fixer Bestandteil für die Steuerung der Supply Chain auf verschiedenen Ebenen. Es ist nicht nur der erste Bericht in der Supply Chain, der Produktions- und Logistikkennzahlen miteinander verknüpft; vielmehr verfügt die Supply Chain damit nun auch über eine übersichtliche Darstellung logischer Verknüpfungen der Kennzahlen. Dadurch werden Ursache-Wirkungs-Betrachtungen je Kennzahl möglich und Mitarbeiter können ihren Beitrag zum Unternehmensergebnis nachvollziehen. Jeder in der Supply Chain, vom SC-Direktor bis zum Mitarbeiter auf Shop-Floor-Ebene, kann von diesem Bericht profitieren und sich zusätzliches finanzielles Wissen aneignen. Das Framework wird in den meisten steuerungsrelevanten Bereichen der Supply Chain eingesetzt. Dies gilt für die gesamte Wertschöpfungskette, von der Rohstoffbeschaffung über die Brauereien und Stapelräume bis zur Auslieferung an den Kunden. Durch die kontinuierliche und bereichsübergreifende Verwendung derselben Kennzahlen wurde eine gemeinsame Sprache zur Performancesteuerung gefunden. Zwischen unterschiedlichen Abteilungen und Funktionen findet ein besserer Wissensaustausch statt. Vor allem aber die Sensibilisierung für die Bedeutung jedes einzelnen Beitrags zum Unternehmenserfolg änderte die Einstellung der Mitarbeiter. Dies ermöglicht es dem Controlling, seine Rolle als Business Partner erfolgreicher wahrzunehmen und eine wirksamere Form des Berichtswesens anzubieten.

VERLEIHUNG ICV CONTROLLING EXCELLENCE AWARD 2018: 43. CONGRESS DER CONTROLLER, TAG 1, 23. APRIL 2018, 09:50 UHR

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