Nach 17 Jahren haben Dr. Herwig R. Friedag (rechtes Bild) und Dr. Walter Schmidt (linkes Bild) die Organisationsleitung der Berliner ICV-Fachtagung „Controlling Innovation Berlin – CIB“ übergeben. Darüber sprachen wir mit ihnen.

Was hat Sie dazu bewogen?
(Friedag) Es sind zwei Faktoren: Zum einen ist nach 17 Jahren „die Luft raus“, Neues will auch von älteren Herrschaften (67) erlebt werden. Zum anderen möchten wir Jüngeren die Chance geben, selbst eine Veranstaltung dieses Ausmaßes organisieren zu können; man lernt sehr viel dabei!

Die CIB hat sich in mehr als 17 Jahren entwickelt. Wie sehen Sie die Berliner ICV-Tagung heute?
(Friedag) Anfangs ging es primär darum, den wirtschaftlich katastrophalen Start der ersten Veranstaltung auszugleichen; inzwischen haben wir einen Gesamtüberschuss von mehr als 40.000 € erreicht – zum Nutzen aller ICV-Mitglieder! Die Themen haben sich eigentlich nicht verändert, diese waren immer zielgruppenspezifisch. Natürlich gab es vor 17 Jahren noch nichts über Start-ups, über BigData etc.
(Schmidt) Aber es ging und geht heute immer noch vor allem um die Menschen hinter den Zahlen. Um die Gestaltung ihrer Kooperation im Rahmen erfolgversprechender Geschäftsmodelle
(Friedag) Ein großer Erfolg ist der Controlling-Nachwuchspreis. Entstanden aus der Erfahrung, dass vor 17 Jahren fast kein Professor den ICV kannte, haben wir 2005 den Controlling-Nachwuchspreis entwickelt, bei dem Controlling-Professoren bzw. deren Lehrstühle mit eingebunden sind. Seitdem machen immer mehr Lehrstühle mit und reichen ihre besten Abschlussarbeiten ein, auch auf Englisch. Und wir haben immer mehr Wettbewerbsteilnehmer.

Sie haben viele Erfahrungen mit dieser Regionaltagung gesammelt. Welche Tipps für ICV-Veranstaltungsorganisatoren wollen Sie weitergeben? Was hat sich bewährt?
(Friedag) Veranstaltungen dieser Art können und müssen (!) immer weiter verbessert werden. Daher haben wir von Anfang an einen Beurteilungsbogen eingesetzt, den wir konsequent auswerten und dessen Anregungen auch umgesetzt werden. Und wir haben uns gefreut, dass dies inzwischen auch bei unserem großen Bruder, dem Controller Congress so gemacht wurde.
Eine wie wir finden tolle Neuerung aus den letzten zwei Jahren: Wir wollten die Anonymität der Teilnehmer aufheben. Jeder Teilnehmer stellt sich seinem Nachbar (in der Reihe dahinter) vor und geht mit diesem zusammen zur Kaffeepause. Daraus haben sich viele Kontakte, Gespräche und Ideenaustausche ergeben – und die „Neuen“ sind nicht mehr so allein…

…und welche Fehler sollten andere aber lieber nicht wiederholen?
(Friedag) Wir haben zu wenig Neues ausprobiert. Wie bei vielen Veranstaltungen geht es auch bei der CIB zu wie vor zig Jahren. Man muss Veränderungen und Experimente wagen – auch wenn es manchmal nicht so gut ankommt (wie 2017: Fingerfood statt klassisches Essen). Wer nicht Neues ausprobiert wird irgendwann den Anschluss verlieren – wie im normalen Leben!

2017 hat die 17. CIB stattgefunden. Können Sie sich noch an die erste CIB erinnern, was ist besonders in Erinnerung geblieben?
(Schmidt) Um die Jahrtausendwende war im Controlling Vieles im Umbruch. Wir hatten heftige Diskussionen im Arbeitskreis Berlin-Brandenburg und auch mit den anderen Arbeitskreisen der Region Deutschland Ost. Wir wollten etwas beitragen zur Erneuerung im Internationalen Controller Verein. Und es sollte etwas Innovatives sein. Deshalb der Name „Controlling Innovation Berlin“ (CIB) und auch das Motto der ersten Tagung: „Mit e-Controlling ins neue Jahrtausend“. Wir waren damit Vorreiter im ICV. Darauf sind wir heute noch stolz. Auf der 16. CIB haben wir das Thema in moderner Form wieder aufgegriffen: Digitalisierung – Vernetzung – Start Up und ihre Konsequenzen für ein modernes Controlling.

Welche Highlights aus der 17-jährigen CIB-Geschichte sind außerdem besonders erzählenswert?
(Schmidt) Wir haben frühzeitig kontroverse Diskussionen aufgegriffen z.B. zum Thema „Beyond Budgeting“, zu den Auswirkungen der International Financial Reporting Standards (IFRS), zum Thema „Globalisierung“, zu Aspekten des verhaltensbezogenen Controllings und zu Nachhaltigkeit und Ethik etc. Über all die Jahre sind wir unserer Linie der Innovation und Inspiration treu geblieben. Höhepunkte waren eine Reihe besonderer Vorträge z.B. von Albrecht Deyhle auf der 3. CIB, von Rolf Hichert auf der 5. CIB. oder von Siegfried Gänßlen auf der 9. und der 15. CIB. Bewährt hat sich die Tradition, jede CIB mit einem Vortrag eines Trainers der Controller Akademie abzuschließen.

Was hat sich im Verlauf der 17 Jahre im Controlling und im ICV am stärksten verändert?
(Friedag) Manche meinen, dass die Controller immer mehr zu Konsumenten werden. Aber aus unserer Erfahrung können wir sagen, dass dies nicht so ist: Man muss die Menschen nur ansprechen; die meisten freuen sich, wenn sie für eine gute Sache aktiv werden können.
(Schmidt) Inhaltlich ist das Controlling menschlicher geworden. Wir beginnen allmählich, uns aus dem Korsett der Finanz-Zahlen zu befreien und die Kooperation der Menschen im Rahmen erfolgversprechender Geschäftsmodelle ins Zentrum unserer Aktivitäten zu setzen. Wir beginnen zu begreifen, dass es in unserem Job nicht um die Maximierung von Profiten geht, sondern um die Wahrung bzw. Verbesserung der Positionierung unserer Unternehmen auf den Märkten dieser Welt. Dazu müssen wir weniger rechnen, sondern vor allem die Entwicklung, Kommunikation, Umsetzung und Finanzierung geeigneter Strategien vorantreiben. Gerade in den Umbrüchen der heutigen Zeit kommt in dieser Hinsicht viel Arbeit auf uns zu!

Zum Schluss: Das ist kein Abschied vom ICV. Welche Aufgaben führen Sie künftig im ICV fort?
(Friedag) Zum einen ist mir „mein“ internationaler ICV Arbeitskreis „International Work Group“ sehr wichtig. Dort bin ich nun im Leitungskreis, nachdem ich die AK-Leitung an meine Kollegin Romina Oreskovic abgegeben habe. Zum anderen engagiere ich mich jetzt wieder mehr in Polen, wo die ICV-Arbeit etwas eingeschlafen ist… Mal schauen, wie sich das entwickelt; ich bin guten Mutes!
(Schmidt) Nachdem ich die Gründung einer Reihe von Fachkreise des ICV initiiert und begleitet habe, werde ich die Arbeit des Fachdelegier-ten in jüngere Hände legen. So wie ich das schon im Vorstand getan habe. Aber ich werde weiterhin als Executive Advisor den Arbeitskreisen und dem Vorstand für Vorträge oder kleine Workshops zur Verfügung stehen, wenn sie mich einladen. Ich bleibe bis auf weiteres aktives Mitglied in fünf verschiedenen Arbeitskreisen. Und ich bin noch einige Zeit verantwortlich für die Herausgabe der Leitfaden-Reihe des ICV. Es wird also nicht langweilig. An einen Abschied denke ich noch lange nicht.

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