Dieser Vortrag ist ein persönliches Highlight des diesjährigen Congresses. Es geht um Nachhaltigkeit, um die Rolle von Controllerinnen und Controllern, um Ethik, Verantwortung und Handlungsmöglichkeiten. Der Redner, Mike Wasserman, ist Ph.D., Professor of International Management an der FH Münster. Der US-Amerikaner lebt in Deutschland. Mit seinem englischsprachigen Vortrag gibt er Denkanstöße. Gut so!

Mit Blick auf die furchtbare Pandemie beantwortet Mike Wassermann seine Frage selbst, warum wir uns gerade jetzt um Nachhaltigkeit kümmern sollen, während doch COVID-19 tobt, so: Die Seuche hat viele kurzfristige Auswirkungen; relevant und bedeutsam für alle Unternehmenslenker. Doch ist der Klimawandel wahrscheinlich eine noch viel größere Bedrohung – auch für die finanzielle Lebensfähigkeit der Unternehmen in allen Branchen, überall.

Seinen Vortrag hat er mit Fragen und Herausforderungen strukturiert. Seine Einstiegsfrage widmet er der Haltung des Controllerstandes zum Thema Nachhaltigkeit. Seine zweite gilt der Verantwortung der Controller: Sind sie gar verpflichtet, die Nachhaltigkeitsanstrengungen entschlossen zu leiten, und wie soll das geschehen? Die dritte Frage geht davon aus, dass in diesem Kontext bessere Entscheidungen zu Prozessen, Verhaltensweisen und Aktionen offensichtlich nötig sind: Was könnte also noch getan werden?

Mike Wassermann meint, Controller brauchen „den kollektiven Willen, auf eine Weise zu handeln, die von den ethischen Standards, die diesen Beruf leiten, verlangt wird“. In Unternehmen höre er zwar Zustimmung, dass „Nachhaltigkeit sehr wichtig“ ist, aber die verantwortliche Rolle würde bei anderen gesehen, im Sinne von: „Nicht mein Job.“ Der Referent macht eine spontane Umfrage, welche Meinung seine Zuhörenden zur Frage haben, ob in ihren Unternehmen vom Controlling in Sachen Nachhaltigkeit schon genug getan wird. Es entsteht ein äußerst selbstkritisches Bild.

Denkanstöße leitet er aus den „10 Kernelementen des Controlling“ des ICV ab. Nach seiner Meinung kommt Controllern eine Art „treuhänderische Pflicht“ zu, die die Bekämpfung der Klimakatastrophe einschließt. Controller müssten Nachhaltigkeitsanstrengungen mutig leiten. Wie das gehen könnte, dazu macht er einige Vorschlage.

Zunächst sollen Controller mit Partnern im Management zusammenarbeiten, z.B. um die gesamten Kosten aller Initiativen zu verstehen. Nichtfinanzielles/Immaterielles als Bestandteil der Finanzberichterstattung und Entscheidungsunterstützung muss genauso bewertet werden, wie es mit finanziellen/materiellen Werten geschieht, so Wassermann. Der Reputation komme eine große Bedeutung zu: „Dieses Thema ist wichtig für Marketing-Leute, es sollte auch für Controller wichtig sein.“ Denn, ob die Gewinnung von Arbeitnehmern, der Aktienkurs oder auch Kaufentscheidungen: alles sei Psychologie, basierend auf dem Ruf. Schließlich rät er, „kreative Alternativen“ zu ermutigen, auch wenn diese noch unvollkommen sind: „Akzeptieren Sie Kompromisse!“

Mit seinem Vortrag hält Mike Wassermann sechs Aktionsschritte parat:

  1. Untersuchen Sie jeden Entscheidungsfindungs- und Risikobewertungsprozess in Ihrer Organisation. Nehmen Sie Nachhaltigkeit als regelmäßigen Bestandteil aller Prozesse auf. Es mag zunächst belastend sein, aber machen sie es zur Gewohnheit.
  2. Erstellen Sie ein Team zur Überprüfung der Nachhaltigkeit, das sich mit Analysetools, Vorschriften, Gesetzen und Best Practices in Bezug auf Nachhaltigkeit auskennt.
  3. Bestehen Sie darauf, dass Manager alle kurz- und langfristigen Umweltrisiken im Zusammenhang mit Nachhaltigkeit berücksichtigen und vollständig offenlegen.
  4. Berücksichtigen Sie eindeutig direkte/indirekte, finanzielle/nicht finanzielle und kurzfristige/langfristige Einnahmen und Kosten wichtiger Entscheidungen, auch wenn dies einen Bruch mit der bisherigen Vorgehensweise darstellt.
  5. Die Controller haben die ethische Verantwortung, für jede wichtige Maßnahme der Organisation eine objektive Bewertung der Daten sowie eine vollständige Offenlegung von Kosten, Nutzen und Risiken im Zusammenhang mit der Nachhaltigkeit zu verlangen. Wenden Sie diese Kraft auf!
  6. Geben Sie denjenigen außerhalb des inneren Kreises der Entscheidungsträger eine Stimme, die am stärksten von Entscheidungen betroffen sind: Landwirten, Bewohnern von Gebieten, in denen Sie tätig sind, Mitarbeitern auf niedriger Ebene und anderen Gruppen, die normalerweise nicht in Unternehmensentscheidungen vertreten sind.

Wassermann mahnt, vor Kontroversen nicht zurückzuschrecken. „Führen Sie offene Gespräche darüber, wie Nachhaltigkeit in unser eigenes ethisches Verhalten, in das Verhalten, das wir von unseren Kollegen erwarten, und in die Art und Weise, wie wir die nächste Generation von Controllern unterrichten und vorbereiten möchten, integriert werden kann!“

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