Großartige Keynote von Prof. Dr.-Ing. Dr.-Ing. E.h. Dr. h.c. Dieter Spath, Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech), München, Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO, Stuttgart, Institut für Arbeitswissenschaft und Technologiemanagement IAT, Universität Stuttgart! „Erwartungen an Produktivität und Wertschöpfung“ ist der Vortrag überschrieben – meine Erwartungen sind mehr als erfüllt!

Professor Spath steigt „menschlich“ in den Vortrag ein, beginnt mit der demografischen Entwicklung und konstatiert „schon vor und auch nach Cororna“ den Fachkräftemangel als eine ganz besondere Herausforderung. Seine Schlussfolgerung daraus: „Wir müssen produktiver werden. Mit den immer weniger Menschen künftig ein mindestens genauso großes Volumen leisten.“ Wie das möglich sein kann, beschreibt er in seiner Keynote. Zentrale Forderung: „Innovationen in Effizienz!“ Es geht um technologische Innovationen, genauso wie um „innovative, margenstarke Produkte“, die erfolgreich im Markt zu platzieren sind. Die digitale Transformation und andere innovative (ingenieurtechnische) Technologien werden dafür entscheidende Voraussetzungen schaffen, so Professor Spath.

An dieser Stelle rückt er eine zentrale Forderung in den Mittelpunkt: „Wir müssen Kompetenzen upgraden!“; Bildung und Weiterbildung ist ein Kernthema, „Wir müssen Weiterbildungsweltmeister werden!“

Der Redner stellt von seinem Institut gerade in der Cororna-Krise identifizierte Handlungsfelder vor: Das erste ist mit „Intervenieren“ überschrieben: gemeint ist, die Gesundheitskrise zu bewältigen und Wirtschaftskrise einzudämmen. Dem schließe sich als zweites Handlungsfeld „Stabilisieren“ an; wozu z.B. gehört versorgungsrelevante Wirtschaftsbereiche zu monitoren und sozialen Frieden zu sichern. Dem schließe sich Handlungsfeld 3, „Stimulieren“ an, bei dem es darum geht, Innovationen zu fördern und Zukunftsfähigkeit sichern. (Hier besteht also eine komplette Übereinstimmung mit der ICV-Ideenwerkstatt, die zum Congress die Schrift, „Immer auf Kurs bleiben – Wie das Controlling Unternehmen durch Krisenzeiten navigiert“, veröffentlicht hat.)

Dann rückt Prof. Spath das Thema „Digitalisierung“ in den Mittelpunkt seiner Keynote. Diese verändere alle Bereiche der Gesellschaft, die Arbeitswelt und – natürlich – die Industrie. Er geht auf die Digitalisierung als Auslöser von Geschäftsmodell-Innovationen ein und mahnt: „Wir brauchen radikale Innovationen; solche, an die die Kunden noch gar nicht denken.“ Dabei sei stets zu überlegen und zu überprüfen: „An welcher Stelle wollen wir denn das Geld verdienen?“ Zu Innovationen und Verbesserungen werden wir gelangen, indem die Wertschöpfungskette genau betrachtet wird. Und: Wenn wir uns von der althergebrachten Vorstellung eines reinen Peer-to-Peer-Modells verabschieden.

Weiteres Kapitel in der Keynote: KI. „Unsere Position im weltweiten Wettbewerb ist nicht schlecht“, meint Prof. Spath, widmet sich dann den bestehenden Herausforderungen, bei denen Leistungssteigerungen und Rationalisierung im Mittelpunkt stehen. Was mit KI heute bereits möglich ist, zeigt er anhand von KI-Fallbeispielen im Funktionsbereichskontext von Unternehmen. Dabei ein wichtiger Hinweis: „KI muss sich an geltende Konventionen halten.“

Spath schlägt an dieser Stelle erneut den Bogen zum Thema Qualifizierung. KI erfordert Kompetenzen, Kreativität und Adaptionsfähigkeit. Vor allem sei eine „Übersichtskompetenz über die Wertschöpfungsprozesse“ nötig, „ein Zusammenhangsverständnis ist zu fördern!“ Unternehmen müssen den Bedarf für Weiterbildung rechtzeitig erkennen und entsprechende, passgenaue Angebote (inhaltlich und methodisch) vorausschauend entwickeln. Interessant ist Spaths Übersicht „KI und zukünftige Berufe“, bei der er einige Beispiele – „spinnerte Ideen“, nennt er sie – für zukünftige Berufe vorstellt: „Mensch-Maschine-Interaktionsdesigner“, „Datenlieferkettenbeauftragter“, „Ethikbeauftragter (Chief Ethics Officer)“ (!), „Persönlicher Gesundheitsberater“, „Empathie-Trainer“ etc. Interessant, nicht wahr?!

Zum Ende der Keynote folgen sehr spannende Ausführungen zur „Herausforderung Produktivität“: „Wie können wir die Produktivität noch steigern?“, fragt Professor Spath und meint: „Kluge Ingenieurideen sind unbedingt nötig“. Auch hier hat er faszinierende Beispiele zur Hand: den Einsatz von Leichtbaurobotern (LBR) am Arbeitsplatz, physische Assistenz durch Fähigkeitsverstärker (Exoskelett) bis hin zum »digitalen Zwilling« z.B. in der Bauindustrie.

Die Keynote findet viel Beifall bei den Zuhörenden.

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