„Modernes Controlling – fundiert und praxiserprobt“ war das Motto der ICV-Fachtagung „Controlling Advantage Bonn – CAB 2017“ am 16. November. Die Arbeitskreise der Region West (D) hatten ins Gas-Wasser-Zentrum nach Bonn eingeladen. In diesem Jahr bot die CAB einen interessanten Quereinstieg mit Vorträgen zu den Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Finanzplanung sowie zum Thema Bürokratieabbau. Es folgten Referate zu Controlling und Steuerung nach einem Carve-Out, Energiecontrolling, Projektmanagement, zu Digitaler Transformation & Unternehmenssteuerung und schließlich zur Stimme als wichtiges Werkzeug für erfolgreiche Controller.

Erster Referent war Frank Stein, Kämmerer der Stadt Bergisch-Gladbach. Unter der Überschrift „Wunsch und Wirklichkeit“ erörterte der erfahrene Verwaltungsexperte, der kürzlich als Kämmerer von Leverkusen nach Bergisch Gladbach gewechselt war, Möglichkeiten und Grenzen kommunaler Finanzplanung. Er ging dabei anschaulich auf rechtliche Vorgaben und auf Planungsrisiken wie unplanbare Sachverhalte und politische Vorgaben ein. „Kommunale Finanzplanung kann immer nur Momentaufnahme sein. Ist sie auf Kante genäht, ist die Gefahr des Scheiterns groß“, so Frank Stein.

Auch der zweite Vortrag eines ausgewiesenen Verwaltungsexperten brachte den Zuhörern Erhellendes. Prof. Dr. Gunnar Schwarting (Bild rechts) von der Deutschen Universität für Verwaltungswissenschaften in Speyer widmete sich mit der provokant anmutenden Fragestellung „Weiße Salbe oder ernsthaftes Bemühen?“ dem Thema Bürokratieabbau. Er ging dabei u.a. näher auf die Programme der Bundesregierung zum Bürokratieabbau und deren Ergebnisse sowie Nutzen ein. „Bürokratie ist einerseits notwendig, im Übermaß aber ärgerlich“, so Prof. Schwarting. „Schritte zum Bürokratieabbau sind daher begrüßenswert, werden aber von den Adressaten nur begrenzt wahrgenommen. Vielfältige Möglichkeiten zum Bürokratieabbau bietet das e-Government, das aber eher schleppend vorankommt. Zudem müssen Gesetzgeber und Verwaltung die Auswirkungen bürokratischer Regeln stärker als in der Vergangenheit hinterfragen. Auf jeden Fall bleibt noch viel zu tun.“

Den Herausforderungen für Controlling und Steuerung nach einem Carve-Out widmete sich Stefan Henting, Director Financial & Management Accounting bei Lufthansa Global Business Services, in seinem Vortrag mit der Überschrift „Von der Holding-Umlage zum Service-Vertrag im Rechnungswesen“. Er schilderte die Einbettung in ein gesamtheitliches Steuerungskonzept als kritischen Erfolgsfaktor sowie die Einführung eines KPI/SLA-Konzepts und erläuterte die Kalkulationsgrundlagen für einen Service-Katalog. In seinem Vortrag ging es weiterhin um Kulturwandel, Preismodelle sowie externe Benchmarks als Orientierungsgrößen für die Preisfindung. Seine Botschaft formulierte Henting „frei nach Deming und Drucker: Deming’s ‚In God we trust – Other bring data!‘ bezogen auf die Fragen von Peter Drucker ‚Was genau möchte der Kunde und wie zufrieden ist er mit der Leistung?‘“

Energiecontrolling war das nächste Thema der CAB 2017. Dr. Mike Schulze, Forschungsdirektor Controlling & Innovation EBS Universität für Wirtschaft und Recht, EBS Business School, und Peter Müllers, Fachleitung Energie & Ressourcenmanagement, thyssenkrupp Rasselstein GmbH, sprachen gemeinsam über Grundlagen und die praktische Umsetzung am Beispiel des Unternehmens. Sie erklärten die wesentlichen Elemente und Aufgaben, die Verbrauchserfassung und das Datenmanagement, gingen auf Energiekennzahlen und Benchmarking sowie die organisatorische Umsetzung näher ein. „Steigende Energiekosten und gesetzliche Anforderungen haben in den vergangenen Jahren dazu geführt, dass die Kostenart Energie in Unternehmen eine größere Aufmerksamkeit erhalten hat und über die Etablierung eines Energiecontrollings gezielt gesteuert wird“, lautete ihre Botschaft. „Durch ein effektives Energiecontrolling lassen sich eine signifikante Reduzierung des Energieverbrauchs und der damit verbundenen Energiekosten eines Unternehmens realisieren.“

Den Appell im Titel seines Vortrages, erläuterte danach Prof. Dr. Ing. Manfred Esser ausführlich: „Projekte managen – Stakeholder beteiligen!“ Er behandelte dabei projektorientierte Organisation und Change Management und ging auf die Entwicklung organisationaler Kompetenz im Projektmanagement ein. Weitere Fragen waren dem Aufbau von Projektcontrolling-Strukturen sowie der Steuerung von Transformationsprogrammen und Großprojekten gewidmet. „Die Entwicklung und Verankerung eines gemeinsamen Projektmanagement-Verständnisse ist eher ein Veränderungsprozess und kein Methodenprojekt“, so Prof. Esser.

Auch die ICV-Controlling-Fachtagung in Bonn beschäftigte sich mit einem hochkarätigen Vortrag in diesem Jahr mit der digitalen Transformation und deren Auswirkungen auf die Unternehmenssteuerung. Martin Schulte, Leiter CFO Advisory, SAP Deutschland SE & Co. KG, erläuterte, dass die digitale Revolution zwar fundamental und nachhaltig verändere, die sich daraus ergebenden Chancen sich aber nicht von selbst einstellen. Seine Hypothese: Die digitale Revolution erfordert von Unternehmen und Mitarbeitern die aktive digitale Transformation. Schulte erläuterte, dass Big Data, IoT und Business Networks Chancen für Unternehmen bieten und Veränderungen von ihnen fordern. Digitale, Echtzeit-basierte Geschäftsmodelle erforderten eine Real-time-Unternehmenssteuerung, Planung und Steuerung würden sich ebenfalls aktiv transformieren. „Durch die digitale Transformation wird das Controlling ‚unternehmerischer‘ und eröffnet neue Chancen – erfordert aber auch Entwicklung“, so Schulte.

Der CAB-Abschlussvortrag von Monika Klinger, Atem-, Stimm- und Sprechtrainerin, machte den Zuhörern klar, dass „die Stimme der Schlüssel zum Erfolg“ ist. Einer guten Stimme werde gerne zugehört, sie vermittle Kompetenz, Vertrauen und Glaubwürdigkeit. Vom „akustischen Ich“ hänge ab, ob man überzeuge oder nicht. So sei die Stimme mitentscheidend für Erfolg oder Misserfolg – im privaten wie im beruflichen Umfeld. „Die Stimme ist unser Instrument. Lernen Sie, auf ihm zu spielen und erreichen und begeistern Sie damit Ihre Zuhörer“, lautete die Botschaft von Monika Klinger.

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