cc2015_CPreistraegerProf. Dr. Dr. h.c. Jürgen Weber, Direktor des Institut für Management und Controlling (IMC) an der WHU – Otto-Beisheim-School of Management, Vallendar, Vorsitzender des Kuratoriums des ICV, präsentiert den diesjährigen Gewinner des Controller-Preises 2015. Mit dem Controller-Preis wird eine Controlling-Innovation in einem Unternehmen prämiert, die von Controllern des Unternehmens selbst entwickelt wurde und für das Unternehmen einen nachhaltigen Vorteil gebracht hat. In diesem Jahr lag eine zweistellige Zahl an Bewerbungen vor, auch aus DAX-Konzernen. Zum ersten Mal wird eine verhaltensorientierte Lösung präsentiert. The Winner is: Dr. P. Scherpereel, J. Gaul, J. Lozek, D. Rauhut, Dr. M. Muhr der RWE AG mit dem Thema “Berücksichtigung von Biases in Entscheidungsprozessen”.

In diesem Thema wurde das Investitionsprogramm der RWE betrachtet. Investitionen haben sich nicht so entwickelt, wie es erwartet wurde. Dr. Scherpereel zeigt verschiede visuelle Beispiele für Biases, dem kognitionspsychologischen Sammelbegriff für systematische (nicht zufällige) fehlerhafte Neigungen beim Wahrnehmen, Erinnern, Denken und Urteilen. Er bezieht sich dabei auch auf die mit dem Nobelpreis prämierten Arbeiten von Daniel Kahnemann, der zwischen 2 Denktypen unterscheidet: Denktyp 1: Schnell, automatisch, immer aktiv, emotional, stereotypisierend, unbewusst. Denktyp 2: Langsam, anstrengend, selten aktiv, logisch, berechnend, bewusst.

Das RWE-Team hat zunächst die Arten von Biases in folgende Gruppen gegliedert: 1. Mustererkennung, 2. handlungsorientierte Biases, 3. stabilitätsorientierte Biases, 4. soziale Biases, 5. interessenbedingte Biases.

Das Wissen über Biases ist nicht hinreichend ausreichend, um Fehlentscheidungen zu vermeiden. Dafür sind Techniken erforderlich, die systematisch und vollständig anzuwenden. Folgende Gruppen von Techniken zur Risikoreduzierung durch Biases wurden bei RWE gebildet:

  1. Blickwinkel ändern (Pre-Mortem-Analyse, Advokat des Teufels, Framing, stellen Sie sich den neuen Chef vor)
  2. Aufrütteln (grüne-Wiese-Ansatz, Muss-Alternativen, unabhängige Gutachten)
  3. Transparenz schaffen (moderierte Diskussion, Checklisten/Kriterien)
  4. Versachlichung von Diskussionen (Brainwriting, Rollentausch, geheime Abstimmung, Advokat des Teufels)
  5. Risiken transparent machen (Bullet Session, externe Benchmarks, unabhängige Gutachten)

5 Punkte sollten von den Teilnehmern aus diesem Vortrag mitgenommen werden:

  1. Wir alle sind anfällig für Biases
  2. Biases können die Ursache für Fehlentscheidungen sein
  3. Bei bestimmten Formen von Biases sollten Techniken zur Reduzierung eingesetzt werden
  4. Die Effektivität hängt vom Bewusstsein, vom Top-Management u. der Implementierung im Unternehmen ab
  5. Im verhaltensorientierten Controlling ist der Grenznutzen neuer Controlling-Anwendungen wahrscheinlich zur Zeit höher als bei weiteren quantitativen Ansätzen, die möglicherweise zum Teil an den Grenzen der Verständlichkeit angelangt sind.

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